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Freitag, 14. September 2007

Die Kultur und der Schock

Ob das der Kulturschock ist, von dem immer alle gesprochen haben?

Es ist sehr anstrengend, hier zu „arbeiten“. Ich hoffe, ich werde nicht müde, für alles zu fragen und zu drängeln und erneut zu fragen. Es strengt mich so an, meine Wünsche einzufordern. Ich komme mir manchmal unhöflich und ungeduldig vor in diesem Land in dem alle still ertragen und nichts zu hinterfragen scheinen. Keine der Schülerinnen in der Abteilung würde irgendetwas tun ohne Zustimmung von „oben“. Keine spricht wirklich ein Wort, alle schauen verunsichert und schweigend zu oder erledigen kleine Aufgaben. Die Hierarchie ist mehr als deutlich und ich weiß nicht, wo mein Platz in diesem Spielchen ist. Alle sind zuvorkommend und nett und uns zugetan. Sie scheinen nicht zu wissen oder es nicht wissen zu wollen (denn wir haben es mehrmals deutlich gesagt), dass wir fast fertig sind mit unserem Studium. Sie erklären uns grundlegende Dinge (vor allen Dingen Theorie - sehr gut erklären sie das!) aber ich weiß nicht, ob ich es mir leisten kann und ob es mir zusteht die Vorträge (von teilweise bis zu 45 Minuten während draußen Patienten warten) zu unterbrechen mit den „arroganten“ Worten: „Das weiß ich doch!“. Ich fühle mich nicht hilflos oder schlecht, ich bin sogar sehr froh hier. Ich muss einfach noch für mich herausfinden, wo ich stehe, was ich darf, was ich muss und was ich besser bleiben lasse. War ja auch die erste Woche.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit Caro über diese Erfahrungen sprechen kann denn wir erleben und empfinden sehr ähnlich. Wir werden uns in den nächsten Wochen immer wieder gegenseitig anspornen müssen, nicht aufzugeben und weiterhin unseren Weg „durchzusetzen“.

Ich lerne sehr viel über die deutsche Kultur (so langweilig sind wir gar nicht) und über meinen eigenen Charakter (Boah bin ich extrovertiert! Und ich lache scheinbar viel zu viel!). Ich glaube ich mache mal eine Liste in der ich aufzähle, wo die gröbsten Unterschiede zwischen Indien und den Indern und Deutschland und den Deutschen liegen und zeige sie euch *g*!

Gestern sind wir mit einem Australier aus dem Hostel auf einen Hügel geklettert. Ich hatte riesige Angst vor Schlangen oder davor, mir ein Bein zu brechen. Als Kind wäre ich glücklich von Felsen zu Felsen gehüpft aber scheinbar bin ich zu alt um sorgenfrei zu klettern =)! War jedenfalls super als wir ein Mal oben waren, nächste Woche klettern wir auf den nächsten (Vellore ist umgeben von kleinen Bergen).

Vellore gefällt mir immer besser. Ist meine Stadt. Es gibt Esel! Die Hügel verleihen der Stadt einen unglaublichen Charme (und heizen der Kesselstadt ganz schön ein). Die Menschen hier starren nicht ganz so viel (wobei ich nur darauf warte, dass mir ein Kind unter den Rock schaut um zu wissen, ob ich darunter auch darunter weiß bin, die Kopfhaut inspizieren sie immer sehr interessiert wenn sie dran kommen *g). Wir haben ein super leckeres Restaurant gefunden in dem die Kellner noch einen Deut netter sind als sowieso alle Inder. Die Fahrten mit den öffentlichen Bussen (voll, laut, holprig, schnell, furcht einflößend) sind noch gewöhnungsbedürftig aber selbst daran werde ich mich gewöhnen. Und wir verbessern täglich unsere Taktik, die Rikshaw-Fahrer im Preis zu drücken.

Auch sonst ist dieses Land toll. Ich kann beim Essen matschen und schlabbern ohne dass es etwas Besonderes ist. Ich darf laut rülpsen oder ohne-Hand-vor-dem-Mund gähnen und keiner schaut blöd (nein ich komme nicht als kleines Schweinchen zurück…).

Mir geht es echt gut hier, Indien ist toll! Wie läuft es in der Heimat?!

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