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Montag, 26. November 2007

2007-11-26

Little Flower

Seit knapp drei Wochen arbeiten wir jetzt im Little Flower Convent. Das ist eine Schule für gehörgeschädigte Kinder (also kein Krankenhaus, wie ich immer wieder gefragt werde...). Dort gibt es auch einige englischsprachige Klassen (insgesamt 54 Schüler und Schülerinnen), und auf die konzentrieren sich natürlich unsere logopädischen Fertigkeiten.
Ich fühle mich sehr wohl an der Schule. Letzte Woche haben wir fast alle Kinder gescreent und diese Woche beginnen wir mit den Therapien. Ich werde insgesamt zehn Kinder therapieren. Das klingt vielleicht wenig, ist aber in Wirklichkeit ein riesiger Haufen Verantwortung! Zum Glück haben alle Kinder mehr oder weniger die gleichen Probleme, so dass ich viele Therapien ähnlich gestalten kann.
Es gibt wie beschrieben keine Logopäden an der Schule. Bei Fragen können wir natürlich Hilfe aus der Heimat bekommen oder sogar von einigen Logopäden an einer Uniklinik hier in Chennai, aber ihr kennt mich ja – do it yourself... Was natürlich nicht heißt, dass ich mich da jetzt in irgendetwas reinmanövriere. Ich denke ich kenne meine Grenzen gut genug um zu wissen, wie viel ich alleine schaffe. Außerdem haben die Lehrerinnen dort ganz schön viel Ahnung und vor allen Dingen die Direktorin unterstützt uns seelisch und praktisch mit ihrem Wissen und ihrer Motivation. Das macht Mut und da wir alles haarklein beschreiben und mit ihr reflektieren (und mit Claudy daheim) denke ich, werden wir schon keinen großen Schaden anrichten =D, für irgendetwas muss das Studium ja auch gut gewesen sein ;-)!
Therapiematerial gibt es natürlich kein spezielles. Jedoch scheint viel Spielzeug vorhanden zu sein, aus dem ich mir sicherlich gutes zusammen basteln kann. Ist nicht wirklich so leicht wie in Deutschland – das richtige Spiel raussuchen und los... vielmehr ist es harte Arbeit für mein Kreativitätszentrum, aus den Figuren und Bildchen etwas Ansprechendes zu gestalten.

Die Voice Con und Mumbai

Wir waren am Wochenende für die VoiceCon in Pune!
24 Stunden Zugfahrt... und was für eine. (Habe ich schon mal erwähnt, dass alles hier – wirklich ALLES ein riesiges Abenteuer ist ;-)?). Um 22.50 fuhr der Zug in Chennai ab. Die uns als „confirmed“ versicherten Schlafplätze im 3A (3 Leute übereinander schlafend, A/C) waren natürlich NICHT „confirmed“ sondern wir standen auf der Warteliste (unschwer zu erkennen für die dummen Touristen – auf den Tickets nämlich gekennzeichnet mit „WL“). Das bedeutet, dass wir bis nach 0.00 dumm rumsaßen, bis der nette „TT“ (frag mich der Geier wieso der so heißt...) uns für 500 extra rupies per person in die zweite Klasse (2A, 2 Leute übereinander, A/C) verfrachtet hat.
Einmal einen Schlafplatz ergattert haben wir uns die Zeit mit Kakerlakenjagen, Tee trinken, „ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ spielen, lesen, quatschen und natürlich Schlafen vertrieben!
Pune ist verdammt kalt gewesen im Gegensatz zu Chennai und wir haben uns erst mal einen Pullover gekauft... brrr...
Die VoiceCon war genial. Ich bin so froh, die Fahrt auf mich genommen zu haben. Ich werde euch jetzt natürlich nicht mit Gefachsimpel nerven aber es war echt informativ und für meine erste Konferenz ein gutes internationales Erlebnis. Und vielleicht ist „Stimme“ doch eine Option für mich... =D! Außerdem war es schön, Shipra und Dr Ajoy noch einmal wieder zu sehen.
Nach ein wenig Sight seeing in Pune und einem Frühstück in einer „German bakery“ sind wir nach Mumbai gefahren. Alle haben uns gewarnt, wie schrecklich diese Stadt doch ist. So voll und laut und dreckig und keine Reise wert... Und die Ankunft war auch genau das! Wir haben 3h im Stau gestanden, bevor uns ein paar nette Mädels aus dem Bus mitgeschleppt haben zur Train Station, damit wir schnell bis ganz in den Süden Mumbais fahren konnten. Das Hotel war dürftig und teuer (wie übrigens auch in Pune), aber dafür habe ich die Stadt umso mehr genossen! Ich bin so positiv überrascht, dass ich gerne noch mal hin möchte (Simon, Marc, ihr wisst bescheid!). Habe im Leopold gefrühstückt (wer Shantaram gelesen hat ist jetzt bestimmt neidisch) und die Stadt zu Fuß erkundet. Abends haben wir auf einem Dach mit Blick auf den Taj Mahal Palace (nein, nicht DER Taj... der steht in Agra) zu Abend gegessen. Romantisch! Volker du fehlst mir... und selbst dir hätte es gefallen ;-)!
Die Rückfahrt war natürlich noch länger... wir sind Montagmorgen um vier Uhr in Chennai angekommen. Aber wenigstens waren die Plätze diesmal WIRKLICH „confirmed“ =). Und ich habe so viel gelesen wie lange nicht mehr.

Die nächsten Wochen müssen wir jetzt ordentlich bei der Arbeit reinhauen, damit wir stolz in die Winterferien können.

Dienstag, 6. November 2007

You will love it!

meSeit Freitag sind wir in Chennai. Khibar hat uns laut versprochen, wir wuerden das Wochenende rocken (Hell yeah!) und wir wuerden diese Stadt lieben (fantastic!). Als wir am Freitag Abend ankamen, fuehlte es sich jedoch gar nicht so an. Khibar und die anderen aus Vellore waren nicht da, denn der Zug kam erst am Samstag an. Gerockt haben wir nicht, wir waren viel eher geschockt.

Scheinbar sind wir hier in das Ende einer Diskussion geraten zwischen den Studenten, die hier schon wohnen (die auch mit M*Transfer hier sind und die wir aus der Uni oder der Introwoche kennen) und dem Life Help Center, in dem wir die folgenden Wochen verbringen sollen. Wir haben direkt volle Breitseite die schlechte Stimmung zu spueren bekommen und das hat meinen Abschiedsschmerz aus Vellore nur noch verdoppelt und ich habe den Samstag herbeigesehnt. In mein (oder unser) eigenes Reich konnte ich mich leider auch nicht zurueckziehen, denn wir teilen unser Zimmer mit einer 36jaehrigen AWO Mitarbeiterin. Es ist wirklich nur ein Zimmer. Ohne Schrank oder Regal. Ohne alles. Also wirklich einfach nur ein Zimmer. Ja.

Den Samstag und den Sonntag haben wir dann mit den Leuten aus dem Hostel verbracht. Und gerockt haben wir natuerlich. Und ich liebe Chennai (Hell, YEAH!). Obwohl es der meist verschmutzte (AIR POLLUTION - meine Nichtraucherlunge macht schlapp ich sags euch) der Welt zu sein scheint und die Rikshaw Fahrer arrogant sind und cheaten was das Zeug haelt, fuehle ich mich sehr wohl in dieser Stadt, denn hier ist was LOS! Wir waren westlich shoppen und in einem Beautysalon (Fussreflexzonenmassage tut VERADMMT weh!). Wir waren in einer Tapasbar und wir waren tanzen und trinken. Und wir waren ausgelassen und ich habe mich fast wie zu Hause gefuehlt, nur cooler, weil ich bin ja in Indien und Apollo ist hier eine Apotheke und keine Kino/Kneipe ;-)!
Am Montag sind wir dann das erste Mal nach Little Flower gefahren. Ich habe mich so gut gefuehlt. Wir sind unglaublich nett wilkommen geheissen worden und hatten den ganzen Tag einen ganz persoenlichen guide der uns alle Fragen beantwortet hat. Es wird eine gute Zeit dort werden, ich bin mir da ganz sicher! Das Einzige Problem ist, dass das Life Help Center, in dem wir jetzt leben, sehr weit weg ist von Little Flower. Wir fahren mit der tueren Rikshaw ca. 1h und mit dem billigen Bus ca. 90 Minuten durch die verpestete Stadt und sind fix und alle, wenn wir Abends zu Haus ankommen. Deshalb ueberlegen wir, ob wir vielleicht naeher an LF ziehen sollen. Aber das wird sich innerhalb der naechsten Woche klaeren.
Jetzt sind erst einmal ein paar Tage frei, denn hier wird Diwali gefeiert. Das ist das hinu-Weihnachten und wird auch das Fest der Lichter genannt. Es gibt Feuerwerk und Suessigkeiten und Familienidylle. Natuerlich nicht fuer uns aber ich denke, wir werden sicherlich etwas davon mitbekommen! Jedenfalls haben wir jetzt genug Zeit, eventuell eine neue Bleibe zu organisieren und ein bisschen was fuer LF vorzubereiten.

So, jetzt reicht es aber mit Neuigkeiten.