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Freitag, 26. Oktober 2007

I'm singing in the rain

Es regnet, es regnet... es schuettet quasi wie aus Eimern!
Ich habe natuerlich meinen Schirm verloren - ich Schussel. Und es ist kalt. Die Temperaturen sind unter dreissig Grad gesunken und ich fange an, zu frieren und warm zu duschen.
Was tragen indische Frauen im Winter...?
Alle tragen dicke Regenjacken und Schirme mit sich rum und die Rikshaws haengen Vorhaenge an die Seiten, um die Passagiere vor dem Groebsten zu schuetzen. Aber das Laecheln ist nicht weniger geworden, die Menschen strahlen nach wie vor.Bei Anbu Illum bedeutet der Regen, dass die Kinder oft nicht zur Therapie kommen. Die ca. 20 Meter zwischen Schule und Therapieraum im Regen zu ueberwinden ist fuer die Kinder, die sich teilweise nur kriechend oder krabbelnd fortbewegen, ein riesiges Hindernis. Aber einige sehen das sicherlich auch als angenehme Ausrede an. Sowieso verhalten sich alle, als seien sie aus Zucker =). Wenn wir erzaehlen, dass es bei uns sehr oft regnet, schauen sie entsetzt und fragen uns, wie viele Tage wir denn dann im Haus bleiben muessen...

Die letzten Tage habe ich meistens im Bett verbracht. Ich war das erste Mal krank, seitdem ich hier bin. Dafuer hat es mich aber so richtig erwischt. Woran es lag, kann ich nicht sagen - vielleicht der Lime Juice von der Strasse? Ich weiss es nicht! Jedenfalls hat Caro mich gepflegt (bis sie einen Tag spaeter dann auch flachlag...) und ich bin wieder recht fit.

Unsere letzten Tage in Vellore sind angebrochen. Ich freue mich, jetzt an einen anderen Ort zu ziehen und eine neue Aufgabe zu bekommen und bin sehr gespannt, was mich in Little Flower erwartet. Naechsten Freitag reisen wir zusammen mit Khibar aus dem Hostel nach Chennai. Wir werden uns noch von einigen verabschieden muessen und irgendwie wird es schon traurig werden. Aber an diese Abschiede bin ich mittlerweile fast gewoehnt - jede Woche reisen neu gewonnene Freunde ab und andere Menschen treten in mein Leben... und mit einigen werde ich sicherlich noch eine Weile Kontakt halten - facebook machts moeglich.
Machts mal gut im kalten Deutschland - Wetterneid braucht ihr jetzt nicht mehr zu haben ;-)! Ich laufe jetzt noch ein wenig singend und ohne Schirm durch den Regen (und das ist Regen, ich sags euch!) - what a glorious feeling!

Freitag, 19. Oktober 2007

Der goldene Tempel

Geduld Geduld! Ten minutes! ... Asa, Jenny, Caro und ich sassen mit etwa 200 Indern in einem Kaefig in einer Fabrikhalle und warteten auf den Einlass in den Goldenen Tempel. Huh was ein vielversprechender Name! Wir wollten schon fast aufgeben - von der Strasse aus konnte man ueberhaupt nichts sehen und die Fabrikhalle sah wenig golden aus. Und dann! Die Tuer geht auf! Draengel, schubs, schieb... wir wurden dann tatsaechlich durchsucht von Sicherheitsleuten! Aber nicht wegen Terrorgefahr sondern weil wir keine Kamera und kein Telefon mitbringen durften... und dann barfuss ueber Sand und Steine bis - ein roter Teppich! Ein goldener Tempel! Golden! Wunderschoen!

Und da standen doch tatsaechlich endlich meine ersten Elefanten! Ein kleiner (naja, so klein nicht ... groesser als ich natuerlich) und ein grosser mit Haaren auf dem Kopf! Der hat mir dann auch fleissig den Nacken besabbert beim Segnen. Hach das muss Glueck bringen =)! Wunderschoene riesige Tiere.
Sonst geht es mir nach wie vor super. Ich bin leicht erkaeltet (Ventilatorluft Tag und Nacht), fuehle mich aber sonst pudelwohl. Ich fuehle mich immer mehr zu Hause im Hostel und in dieser suessen Stadt und bin jetzt schon traurig, beides in zwei Wochen zu verlassen, um nach Chennai zu ziehen.

Momentan arbeiten Caro und ich in Anbu Illum, einem Zentrum fuer Kinder mit Zerebralparese. Die erste Woche haben wir gerade hinter uns und es ist wie immer am Anfang sehr schwer und anstrengend, sich einzufinden. Die Gewoehnungszeit ist fuer beide Seiten ein vorsichtiges Abtasten und fuer uns vor allen Dingen anstrengend, da wir uns und unsere Wuensche deutlich vertreten muessen und haarklein erklaeren muessen, was wir koennen und moechten und was von uns erwartet werden kann. Wir haben jetzt eine feste Liste von Patienten, die wir behandeln duerfen. Da wir hier keinen Logopaeden haben, werden wir die Behandlungsplaene mit Bindhu von Rehab besprechen, die wir morgen sehen, da wir Samstags weiterhin bei Rehab arbeiten. Wir haben also genug zu tun...

Ich denke an euch und vermisse euch (ich habe die Shuttleparty verpasst! Mist!).

Montag, 15. Oktober 2007

Albern??


Wir doch nicht!
Muenchhausen ohne Kugel ;-)

Traritrara

woooooow!
inspiriert von indischen Busfahrern!

und tschuess...

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Jeder Weg ist ein Abenteuer. Man erreicht immer sein Ziel.

Kerala ist anders als Tamil Nadu. Die Rikshaw Fahrer tricksen weniger, die Menschen haben teilweise blaue (!) Augen, sie sprechen natürlich eine andere Sprache, das Essen ist anders gewürzt… und Hutch ist ein anderes (wie hätte es auch anders sein können) =)!

Kerala ist Indien. Jede Begegnung und jeder Schritt ein Abenteuer und Staunen an vielen Ecken.

2nd class sleeper ist in Ordnung. Wir sind neun Stunden gefahren und ich habe etwa drei geschlafen. Ich kann das einfach nicht! Es ist laut, hell, ich fühle mich nicht sicher (obwohl es dazu überhaupt keinen Grund gibt!) und ich habe die ganze Zeit Sorge, den richtigen Bahnhof zu verpassen.

Der Tag in Cochin begann sehr früh mit einem süßen indischen Kaffee am Bahnhof und dem in-Beschlag-nehmen des Hotels (sehr süß und familiär). Ich haben Caro und ich uns eine Ayuvedische Massage gegönnt („all off“ sagte die freundliche Masseurin bevor sie mich einölte) und musste danach mit Caro zusammen unter einer Dusche duschen. Ein ordentlicher Schokoladenkuchen hat den Tag perfekt gemacht und mit einem Kingfisher habe ich ihn ausklingen lassen.

Das erste Abenteuer des zweiten Tages: die Fahrt mit der Fähre! Um zum Busbahnhof zu gelangen mussten wir mit der Fähre von Fort Cochin nach Ernakuvvam übersetzen. Der freundliche Hotelbesitzer hat uns mehrfach erklärt, dass es ganz einfach ist. 10 Minuten zu Fuß gehen, Fähre nehmen und dann eine Rikshaw. Klingt gut… und gefährlich indisch.

Nach ca. 30 Minuten erreichen wir die Fähre. Eine große Menschenmenge wartet dort und drängelt und schnattert und schwitzt. Wir warten in einer Art Gehege, das scheinbar als Abgrenzung dient um die Passagierzahl zu begrenzen. Das hat mich irgendwie beruhigt… Und da ist sie – unsere Fähre! Kaum fährt sie ein springen die Tore auf (auch das Tor nach hinten also war die Begrenzung sinnlos) und die ersten Menschen springen durch die Fenster und Türen auf das Boot. Stege? Pustekuchen! Johno ganz mutig und indisch versuchts durchs Fenster und sein Rucksack fällt „platsch“ ins Wasser. Akrobatische Rettungsaktion geglückt – er war der Einzige, der einen Sitzplatz ergattert hat … ob es das wert war? Ich überwinde mit meinen FlipFlops den etwa 1m großen Wassergraben hüpfenderweise und bin heilfroh, als ich endlich in dem überfüllten Ding bin… denn das bin ich mittlerweile gewohnt – in überfüllten Transportmitteln schwanken und schwitzen kann ich schon.

Wir sind tatsächlich bis zu unserem Hausboot gekommen. Denn man kommt immer ans Ziel. Irgendwie und irgendwann. Das Boot ist Luxus pur. Die Landschaft ist schön. Sehr grün und sehr blau. Und diese ungewöhnlich gute Luft und die Stille haben mir sehr geholfen, mich zu entspannen. Das erste Mal, seitdem ich hier bin, hatte ich Zeit, durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen. Es hat mir unglaublich gut getan und ich fühle mich aufgetankt und stark. Wir wurden super versorgt von einer Crew mit eigenem Koch (lecker!) und haben uns jeder für sich vertrödelt.

Auf dem Rückweg haben wir noch einmal in Cochin halt gemacht. Leigh, Caro und ich haben die Zeit überbrückt, indem wir uns endlich das Bourne Ultimatum angesehen haben. Auch ein Kinobesuch ist ein Erlebnis hier… nachdem wir von A nach B geschickt wurden und an mehreren Stellen geduldig gewartet hatten (man kommt immer ans Ziel! Nicht aufgeben!), fing der Film an. Natürlich indisch, das heißt laut! Zwischendurch klingelten Handys und Leute sprangen auf und redeten. Wir waren übrigens die einzigen Frauen im ganzen Kino… Mittendrin gab es eine kurze Teepause. „Pling“ Film aus! Licht an! Alle raus. Tee trinken und wieder rein. Licht aus! Film an! Es ist einfach unglaublich hier…

Die Rückfahrt (wieder über Nacht aber diesmal 3rd class – war aber auch ok) war für mich ähnlich schlecht wie die Hinfahrt. Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein. Mein Bett wartet schon sehnsüchtig auf mich - oder warte ich? Das könnt ihr euch jetzt aussuchen...

Dienstag, 2. Oktober 2007

letzte Woche bei ENT I

Die letzte Woche bei ENT I ist vorbei. Ich bin ein bisschen traurig, denn die Menschen dort sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Vor allen Dingen Shipra werde ich vermissen. Aber wir treffen uns – soweit das Indien zulässt – in Puna wieder zur VoiceCon im November.

Diese Woche fangen wir bei PMR und Rehab an, wo uns Bindhu begleiten wird. Leider konnten wir heute nicht nach Vellore fahren denn hier ist ein Streik. Wir wissen nicht genau, was los ist… irgend eine Partei scheint eine Brücke nach Sri Lanka bauen zu wollen und der Rest ist dagegen – aber so genau weiß das keiner denn es ist wie mit allem… man fragt vier Personen und bekommt vier verschiedene Antworten. In einem sind sich jedoch alle sicher: zu Hause bleiben ist besser. Denn obwohl einige Rikshaws fahren ist mit Gewalt zu rechnen und wir sollen uns lieber vor fliegenden Steinen verstecken. Alle sind also zu Hause geblieben heute und das Hostel ist voll mit gelangweilten Ausländern denn der Pool hat natürlich montags geschlossen. Aufgrund des Streiks auch unser Computerlab…

Sonst geht es mir weiterhin sehr gut. Ich gewöhne mich immer mehr an das Klima und bin heute bei ca. 35 °C in Jeans unterwegs gewesen (nur auf dem Campus – der wird bewacht) ohne mehr zu schwitzen als sonst. Ich bin sehr gespannt, was die neue Arbeit mit sich bringt und fühle mich gut aufgehoben im fernen Land.

Leider funktioniert mein Handy wieder nur einseitig, denn jetzt hat auch der letzte Shop mir gesagt, er kann es nicht mehr für mich aufladen, da ich Chennai Hutch (dabei ist Hutch jetzt Vodafone…) ist. Versteh einer die Inder!

Caro und ich haben am Freitag mehr zufällig als absichtlich den Markt von Vellore gefunden. Wir waren schon irgendwie auf der Suche danach aber wollten grade nach Hause gehen, da leuchtete zwischen zwei Häusern ein Stand mit Orangen auf und da ich gerne welche wollte, haben wir uns durch den engen Gang gequetscht und sind erst mal mit offenen Mündern stehen geblieben. Der Markt ist unglaublich! Zwischen Häusern quetschen sich dicht an dicht kleine Stände mit Gemüse, Obst und Haushaltsutensilien halb beschattet von Palmendächern. Dazwischen ein paar Kühe und Hunde natürlich. Gewürze auf riesigen Haufen! Zwiebeln Zentnerweise auf der Straße! Tomaten für 7rs da Kilo! Schmuck und Bekleidung dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wie das riecht und leuchtet in tausend Farben! Ich habe mein Dauergrinsen jedenfalls für den restlichen Tag nicht mehr aus dem Gesicht bekommen (wobei es kurz verschwand als ich mit meinen Flip Flops im Kuhfladen gelandet bin). Faszinierender Ort. Das nächste Mal wenn ich dort bin schieße ich ein paar Fotos und zeige es euch, damit ihr wenigstens ansatzweise versteht, wovon ich hier rede.

Nächstes Wochenende werden wir in Kerala auf einem Hausboot verbringen und durch die Backwater schippern. Wir haben beschlossen, das jetzt schon zu machen, da es zu teuer wäre nur für uns beide. Auf unserer Rundfahrt werden wir dann das Hausboot auslassen und uns Kerala von Land aus ansehen. Wir fahren also mit dem Bangaloretrupp mit dem Nachtzug nach Cochin und haben dann dort unseren eigenen Koch, einen Kapitän und einen Fahrer. Ich bin sehr gespannt – auch auf die Rückfahrt, denn die Jungs haben 3. Klasse A/C gebucht und ich glaube das könnte eng werden…

Langsam werden die Tage ruhiger und ich schaffe es, ab und zu mal durchzuatmen. Vieles wird routinierter und ich bin sehr dankbar darum. Mein Mund hat schon einen Krampf vom offen-stehen-bleiben *g*!

Ganz lieber Gruß an die Heimat. Vermisse euch. Könnt ihr nicht alle einfach mal hierher kommen um mich zu besuchen? Denn nach Hause kommen will ich noch nicht ;-)!