Seit knapp drei Wochen arbeiten wir jetzt im Little Flower Convent. Das ist eine Schule für gehörgeschädigte Kinder (also kein Krankenhaus, wie ich immer wieder gefragt werde...). Dort gibt es auch einige englischsprachige Klassen (insgesamt 54 Schüler und Schülerinnen), und auf die konzentrieren sich natürlich unsere logopädischen Fertigkeiten.
Ich fühle mich sehr wohl an der Schule. Letzte Woche haben wir fast alle Kinder gescreent und diese Woche beginnen wir mit den Therapien. Ich werde insgesamt zehn Kinder therapieren. Das klingt vielleicht wenig,
ist aber in Wirklichkeit ein riesiger Haufen Verantwortung! Zum Glück haben alle Kinder mehr oder weniger die gleichen Probleme, so dass ich viele Therapien ähnlich gestalten kann.Es gibt wie beschrieben keine Logopäden an der Schule. Bei Fragen können wir natürlich Hilfe aus der Heimat bekommen oder sogar von einigen Logopäden an einer Uniklinik hier in Chennai, aber ihr kennt mich ja – do it yourself... Was natürlich nicht heißt, dass ich mich da jetzt in irgendetwas reinmanövriere. Ich denke ich kenne meine Grenzen gut genug um zu wissen, wie viel ich alleine schaffe. Außerdem haben die Lehrerinnen dort ganz schön viel Ahnung und vor allen Dingen die Direktorin unterstützt uns seelisch und praktisch mit ihrem Wissen und ihrer Motivation. Das macht Mut und da wir alles haarklein beschreiben und mit ihr reflektieren (und mit Claudy daheim) denke ich, werden wir schon keinen großen Schaden anrichten =D, für irgendetwas muss das Studium ja auch gut gewesen sein ;-)!
Therapiematerial gibt es natürlich kein spezielles. Jedoch scheint viel Spielzeug vorhanden zu sein, aus dem ich mir sicherlich gutes zusammen basteln kann. Ist nicht wirklich so leicht wie in Deutschland – das richtige Spiel raussuchen und los... vielmehr ist es harte Arbeit für mein Kreativitätszentrum, aus den Figuren und Bildchen etwas Ansprechendes zu gestalten.
Die Voice Con und Mumbai
Wir waren am Wochenende für die VoiceCon in Pune!
24 Stunden Zugfahrt... u
nd was für eine. (Habe ich schon mal erwähnt, dass alles hier – wirklich ALLES ein riesiges Abenteuer ist ;-)?). Um 22.50 fuhr der Zug in Chennai ab. Die uns als „confirmed“ versicherten Schlafplätze im 3A (3 Leute übereinander schlafend, A/C) waren natürlich NICHT „confirmed“ sondern wir standen auf der Warteliste (unschwer zu erkennen für die dummen Touristen – auf den Tickets nämlich gekennzeichnet mit „WL“). Das bedeutet, dass wir bis nach 0.00 dumm rumsaßen, bis der nette „TT“ (frag mich der Geier wieso der so heißt...) uns für 500 extra rupies per person in die zweite Klasse (2A, 2 Leute übereinander, A/C) verfrachtet hat.Einmal einen Schlafplatz ergattert haben wir uns die Zeit mit Kakerlakenjagen, Tee trinken, „ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ spielen, lesen, quatschen und natürlich Schlafen vertrieben!
Pune ist verdammt kalt gewesen im Gegensatz zu Chennai und wir haben un
s erst mal einen Pullover gekauft... brrr...Die VoiceCon war genial. Ich bin so froh, die Fahrt auf mich genommen zu haben. Ich werde euch jetzt natürlich nicht mit Gefachsimpel nerven aber es war echt informativ und für meine erste Konferenz ein gutes internationales Erlebnis. Und vielleicht ist „Stimme“ doch eine Option für mich... =D! Außerdem war es schön, Shipra und Dr Ajoy noch einmal wieder zu sehen.
Nach ein wenig Sight seeing in Pune und einem Frühstück in einer „German bakery“ sind wir nach Mumbai gefahren. Alle haben uns gewarnt, wie schrecklich diese Stadt doch ist. So voll und laut und dreckig und keine Reise wert... Und die Ankunft war auch genau das! Wir haben 3h im Stau gestanden, bevor uns ein paar nette Mädels aus dem Bus mitgeschleppt haben zur Train Station, damit wir s
chnell bis ganz in den Süden Mumbais fahren konnten. Das Hotel war dürftig und teuer (wie übrigens auch in Pune), aber dafür habe ich die Stadt umso mehr genossen! Ich bin so positiv überrascht, dass ich gerne noch mal hin möchte (Simon, Marc, ihr wisst bescheid!). Habe im Leopold gefrühstückt (wer Shantaram gelesen hat ist jetzt bestimmt neidisch) und die Stadt zu Fuß erkundet. Abends haben wir auf einem Dach mit Blick auf den Taj Mahal Palace (nein, nicht DER Taj... der steht in Agra) zu Abend gegessen. Romantisch! Volker du fehlst mir... und selbst dir hätte es gefallen ;-)!Die Rückfahrt war natürlich noch länger... wir sind Montagmorgen um vier Uhr in Chennai angekommen. Aber wenigstens waren die Plätze diesmal WIRKLICH „confirmed“ =). Und ich habe so viel gelesen wie lange nicht mehr.
Die nächsten Wochen müssen wir jetzt ordentlich bei der Arbeit reinhauen, damit wir stolz in die Winterferien können.

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